Durch einen Artikel auf Spiegel Online bin ich auf die Lonely Planet Travel Guides für das iPhone gestossen. Obwohl sogar der Verantwortliche von Lonely Planet gegenüber digitalen Reiseführern skeptisch eingestellt zu sein scheint (“Auf Reisen ist das Buch dem Handy immer noch deutlich überlegen”), wollte ich mir selber ein Bild machen und kaufte für meinen Kurztrip nach Spanien den City Guide für Barcelona.

Beim Preis von CHF 17.00 für den digitalen Städteführer war mein erster Gedanke: “Hoppla”. Er ist damit zwar günstiger als sein Kollege aus Papier, der bei amazon.de aktuell EUR 14.95 kostet, aber ich hatte auf einen grösseren Preisvorteil gehofft. Der stolze Preis hat meine Erwartungen an das Stück Software natürlich nicht gesenkt und so wollte ich wissen: Hält die iPhone-Version dem Vergleich mit dem Buch stand, wenn es um den Nutzwert geht?

Textlich bietet die App das, was man sich von Lonely Planet gewohnt ist: Gut recherchierte Informationen in knackiger Form. Ich konnte leider keinen direkten Vergleich anstellen, aber die Texte werden wohl eins zu eins von den (englischen) Büchern übernommen. Der reine Informationsgehalt ist daher in beiden Versionen derselbe.

Der digitale Reiseführer von Lonely Planet punktet meines Erachtens gerade in jenen Bereichen am stärksten, wo die Papierversion zuweilen am meisten nervt. Das schwarzweisse Kartenmaterial ist nicht nur unschön, sondern zudem auch noch über das halbe Buch verteilt. Der iPhone-Städteführer kommt in Farbe daher und zeigt mir dank GPS, wo ich gerade stehe. In diesem Zusammenhang wäre ein integrierter Kompass wünschenswert, dieses Feature fehlt leider in der aktuellen Version. Von der GPS-Lokalisierung macht auch das praktische “Nearby Places”-Feature Gebrauch, das interessante Örtlichkeiten in meiner umittelbaren Umgebung auflistet. Sowohl die Karte als auch die Liste lassen sich nach Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Unterhaltungangeboten, Einaufs- und Übernachtungsmöglichkeiten filtern, was der Übersichtlichkeit sehr zuträglich ist.

Bei der Karte fällt es manchmal nicht ganz leicht, den gewünschten Spot anzutippen. Hier sollte usabilitymässig nachgebessert werden. Dafür, dass die App noch kein halbes Jahr alt ist, kommt sie aber erstaunlich ausgereift daher. Bestimmt dürfen wir uns noch auf so einiges aus dem Hause Lonely Planet freuen, was die digitale Aufbereitung der unglaublichen Menge an vorhandenem Reise-Know-how angeht. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Handy-Reiseführer auch in anderen Sprachen als Englisch verfügbar sind. Und was die Features betrifft, sind die Möglichkeiten noch längst nicht ausgereizt. Einer Einbindung von sozialen Features (Interaktionen zwischen Benutzern) steht wohl nur das Problem des teuren Daten-Roamings im Wege.

Weitere Punkte, die ganz allgemein für einen digitalen Reiseführer sprechen, sind die Aktualität der Daten, das wegfallende Gewicht (sein Handy hat man meistens sowieso dabei) und die Möglichkeit, den Guide auch sehr kurzfristig im Hotel-WLAN herunterladen zu können.

Mein Fazit: Den vielen Vorteilen des digitalen Reiseführers steht nur ein Nachteil gegenüber: Ich kann den Lonely Planet nach getaner Reise nicht als schöne Erinnerung ins Bücherregal stellen. ;-)

Wo siehst du die Vor- und Nachteile eines Reiseführers fürs iPhone?